Marco Polo

Sein Werk zählt zu den bedeutendsten frühen europäischen Berichten über den Osten und bietet einzigartige Einblicke in die Kultur, die Bevölkerung und den Handel dieser fernen Länder. Im Alter von 17 Jahren brach Marco gemeinsam mit seinem Vater Niccolò und seinem Onkel Matteo zu einer außergewöhnlichen Reise von Venedig nach China auf. Die beschwerliche Expedition dauerte über drei Jahre und markierte den Beginn von Marcos legendären Abenteuern. Von 1275 bis 1291 diente er als Berater am Hof von Kublai Khan, dem mongolischen Kaiser, wurde mit wichtigen Missionen betraut und gewann tiefe Einblicke in das riesige Reich.

Foto: Marko Sitar

Das Schicksal Marco Polos nahm 1298 eine dramatische Wendung – während einer der größten Seeschlachten des Mittelalters nahe der Insel Korčula, vor dem Kap Ražnjić bei Lumbarda. Diese Schlacht war Teil des langjährigen Machtkampfes zwischen den Seerepubliken Venedig und Genua. Die venezianische Flotte, bestehend aus 96 Galeeren und drei großen Schiffen, traf auf eine genuesische Flotte mit 85 Galeeren – ein Aufeinandertreffen von bislang unerreichter Größe, vergleichbar nur mit der venezianischen Beteiligung an der Seeschlacht von Lepanto im Jahr 1571.

Der Kampf begann am Sonntagmorgen, dem 7. September 1298, und tobte den ganzen Tag. Am Nachmittag trafen 16 genuesische Galeeren, die durch ungünstige Winde in Otranto aufgehalten worden waren, unerwartet aus Richtung Mljet ein. Sie führten einen Überraschungsangriff auf die erschöpfte venezianische Flanke aus – eine taktische Reserve, die sich schon in früheren Schlachten als effektiv erwiesen hatte. Dieser entscheidende Manöverwechsel gab den Ausschlag für den genuesischen Sieg.

Unter dem Kommando von Admiral Lamba D’Oria errangen die Genuesen einen überwältigenden Sieg. Die Verluste der Venezianer waren katastrophal: 18 Galeeren wurden versenkt, 66 erobert (und später an den Ufern von Korčula verbrannt, da sie nicht nach Genua geschleppt werden konnten), und über 7.000 Seeleute, Soldaten und Ruderer kamen ums Leben. Weitere 7.400 Venezianer, darunter auch Marco Polo, gerieten in Gefangenschaft. Auch das Flaggschiff von Admiral Andrea Dandolo ging verloren, ebenso wie Marco Polos eigene Galeere – ein imposantes Schiff mit 120 Rudern.

Marco Polos Mut im Kampf blieb nicht unbeachtet. Zeitzeugen berichteten, er habe sich „mit seiner Galeere an die Spitze der Schlacht geworfen und tapfer für sein Vaterland gekämpft.“ Doch sein Heldentum hatte seinen Preis: Verwundet und gefesselt wurde er als Kriegsgefangener nach Genua gebracht. Admiral Lamba D’Oria hingegen feierte seinen Triumph vier Tage lang auf Korčula, bevor er am 16. Oktober 1298 in Genua mit großem Empfang empfangen wurde.

Foto: Marko Sitar

In Genua saß Marco Polo gemeinsam mit Tausenden seiner Landsleute in Gefangenschaft. Doch selbst im Gefängnis blieb sein Geist ungebrochen. Dort diktierte er seine außergewöhnlichen Reiseerlebnisse dem Schriftsteller Rustichello da Pisa, einem Autor romantischer Rittergeschichten. Rustichello verfasste daraus Il Milione – ein Meisterwerk, das Europa erstmals die Reichtümer und Wunder des Ostens offenbarte.

Die Seeschlacht bei Korčula war ein Wendepunkt in Marco Polos Leben. Hätte sie nicht stattgefunden, und wäre Marco nicht gefangen genommen worden, hätte die Welt womöglich nie von seinen unglaublichen Reisen erfahren. Diese historische Fügung verknüpft nicht nur das Schicksal eines der größten Entdecker der Menschheitsgeschichte mit der Insel Korčula, sondern bereichert auch deren kulturelles und historisches Erbe auf einzigartige Weise.